Tradition und Moderne
Oswalds künstlerische Reise ist untrennbar mit der Geografie und Kulturgeschichte seines Heimatlandes Peru verbunden.
Holz, ein Material, das in vielen indigenen Kulturen Perus von großer Bedeutung ist, bildet das
Fundament seiner Arbeiten. Hier wurde Holz über Jahrhunderte hinweg für
die Herstellung von Ritualobjekten, Totems und funktionalen Gegenständen
verwendet, die oft mit spiritueller Bedeutung aufgeladen sind.
Zauber, Zerbrechlichkeit und Transzendenz
Neben seinen gefeierten Skulpturen bringen Oswalds Papier arbeiten eine andere Art der taktilen Erfahrung in die zeitgenössische Kunst, welche mit der Spannung zwischen Zerbrechlichkeit und Beständigkeit spielt.
Papier, als Medium, trägt ein eigenes historisches und kulturelles Gewicht, von den antiken Papierherstellungstraditionen der präkolumbianischen
Kultur bis hin zu seiner Assoziation zu Büchern, Wissensschatz und Kommunikation. Inspiriert durch eine Japanreise schuf Oswald eine brillante Serie puristischer Papierzeichnungen, die zwischen dem Physischen und dem Ephemeren zu schweben scheinen.
Die Zeichnungen beschäftigen sich mit Themen wie Transformation, Erinnerung und den Zyklen des Lebens.
Die zerbrechliche Natur des Materials deutet auf eine Zerbrechlichkeit hin, die das menschliche Leben
widerspiegelt, doch gerade diese Zerbrechlichkeit
vermittelt eine Idee der Transzendenz. Das Werk wird zu einer Meditation über Zeit und Wandel,
eine Auseinandersetzung damit, wie physische Objekte, ähnlich wie
Erinnerungen, sich entwickeln und verfallen,
während sie zugleich neue Bedeutungen annehmen.
Persönliche Vision und universelle Botschaft
Ein wiederkehrendes Motiv ist die Auseinandersetzung mit der Natur sowohl als äußere Kraft als auch als innere Erfahrung.
Sonne, Wasser, Berge, Tiere, Bäume und andere
natürliche Elemente erzeugen ein Gefühl der
Verbundenheit zwischen Mensch und Erde.
Jedoch ist die Natur in Oswalds Arbeiten nicht nur ein
Hintergrund; sie ist ein aktiver, dynamischer Teil der Identitätsbildung. So wie der Künstler die
Materialien, mit denen er arbeitet, formt und transformiert, so lässt sich auch die menschliche Identität als formbar begreifen,
die sich fortwährend im Zusammenspiel mit der Umwelt, den Erfahrungen und spirituellen Kräften verändert.
Diese Vorstellung von Identität als fließendes, sich ständig veränderndes Konzept stimmt mit der Idee der Transformation überein, die sein Werk durchzieht, und verstärkt den Gedanken, dass sowohl der Mensch als auch
die Natur sich in einem unaufhörlichen Wandel befinden.
Francisco Aguilar Oswald spricht nicht nur die
lokale Kunstszene, sondern auch ein globales
Publikum an, indem er eine persönliche Vision
in eine universelle Botschaft verwandelt,
ein einzigartiges Werk, eine Hommage an das Leben.
Dr. Barbara Aust-Wegemund, Kunsthistorikerin
Januar 2025